Auf dieser Seite könnt Ihr Lesen, was die Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung in den letzten Jahren über Veranstaltungen im Minchen schrieb. Konzerte, Aktionen oder Parties. Wir präsentieren einen Querschnitt durch die letzten Jahre.

© Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung  vom. August 20075

Rockige Zeitreise zurück in die Sechziger

Steve Young und „Beat-Knights“ spielen im „Minchen“

Bückeburg. Steve Young ist im „Minchen“ ein gern gesehener Gast. Bereits vor zwei Jahren mischte der ehemalige „Status-Quo“-Schlagzeuger mit seiner Band Beat-Knights die traditionelle St.-Patricks-Day-Feier in Bückeburgs Kult-Kneipe auf. Nun läuteten der selbsternannte „Mad Man“ des Rock’n’Roll und seine ritterlichen Mitspieler mit einer gepfefferten Ladung rockender und rollender Klassiker die Vorweihnachtszeit am ehemaligen Ostbahnhof ein.
Von 1969 bis 1972 stand Steve Young zusammen mit Rick Parfitt und Francis Rossi auf den Bühnen dieser Welt, erlebte dabei die psychedelische Ära von „Status Quo“ mit, schrieb den Song „Someone to learn and something’s going wrong in my head“ und prägte so stilbildende Alben wie „Pictures of matchstick man“ und „Dog of two heads“ mit. Nach einer gemeinsamen Tour mit Marc Bolan’s T-Rex verschlug es ihn aus familiären Gründen nach Deutschland, wo er die Beat-Knights in Leben rief und mit diesen seitdem die Häuser rockt.
Wie bei seinem letzten Auftritt huldigten Steve Young und seine Beat-Knights der großen Ära des Rock und des Blues. „Old Time Rock’n’Roll“ gab als zweiter Song des Abends gleich das Motto vor für die Zeitreise zurück in die Sechziger, in jene Ära also, als Mick

 

Jagger auf „Baggers Banquet“ um Sympathie für den Teufel warb und jeden Polizisten einen Verbrecher nannte, als „Status Quo“ mit „In my chair“ dem Blues huldigten und mit „Down the dustpipe“ den Teenbeat-Markt bedienten. „I feel good“ bekannte Young mit James Brown, kehrte mit den Beatles „Back in the USSR” und entzündete mit Jerry Lee Lewis die „Great Balls of Fire“, bevor er „Deep Purples“ „Smoke on the water“ durchs „Minchen“ wabern ließ. jp

© Schaumburger Nachrichten, 26.11.2005

,,Minchen" macht ein Fass auf: Prosecco zum 32. Geburtstag

Straßenfestatmosphäre am Ostbahnhof / Zwei Bands sorgen für Stimmung

Bückeburg (jp). Live-Musik mit zwei namhaften Bands, Bullriding-Wettbewerb,Cocktail-Bar und diverse andere Angebote unter freiem Himmel: Eigentlich waren die Zutaten für ein rundes zweitägiges Open-Air-Vergnügen beim 32. Minchen-Geburtstag perfekt. Nur das Wetter, welches offensichtlich in diesem Jahr überhaupt keine Sympathie für Bückeburger Freiluft-Veranstaltungen hegt, meinte es mit der von unserer Zeitung präsentierten Geburtstagsfeier von Bückeburgs Kult-Kneipe Nummer eins überhaupt nicht gut.

Mit heftigen Gewittern sorgte Petrus am ersten Abend nicht nur für eine verspätete Eröffnung durch den stellvertretenden Bürgermeister Jürgen Harmening (wir berichteten), sondern auch dafür, dass die Party erst im zweiten Anlauf am Sonnabend so richtig in Schwung kam.

Dass sich dennoch bereits am Freitag mehrere hundert Gäste vor der Bühne auf der Ahnser Straße drängten, dies allerdings vor allem unter den dort vorsorglich bereit gestellten Regenschirmen, war nicht nur auf die mit feurigen Samba-, Bossa-Nova- und Latino-Rhythmen gegen den Regen anspielenden Mannen von Volker Kohlmeiers Caipirinhas zurückzuführen, sondern auch auf die unverbrüchliche Nibelungen-Treue der Fans zu ihrem Minchen: "Die Leute wissen eben, wo sie am Freitag Abend hingehören", konstatierte ein patschnasser, aber ansonsten zufriedener Minchen-Wirt Fabian Hahn.

Am Sonnabend Abend gehörte die Bühne der Band The Kick, und das Wetter hatte ein Einsehen: Die Mindener Cover-Rock-Formation um Sängerin Pamela Gieseking und Sänger Uwe Bremmert brauchte tatsächlich nicht "Its raining men" von den Weather Girls anzustimmen, sondern beließ es angesichts angenehm milder Open-Air-Witterung bei zeitlosen Rock-Klassikern von Tina Turners "Steamy Windows" bis zu Jeff Healeys "Stuck in the middle with you" und von Fleetwood Macs "Dont stop" bis zu "I dont wanna lover" von Texas.

Und die Minchen-Fans ließen sich nicht zweimal bitten: So wie halb Westdeutschland zu gleicher Stunde zum Papst auf das Marienfeld bei Köln strömte, pilgerte Bückeburg zum Minchen, um der Kultkneipe zum 32. Geburtstag die Ehre zu erweisen.

Und Fabian Hahn konnte sich freuen, dass die diversen kulinarischen Angebote, angefangen von Köstritzer vom Fass bis zum klassischen Open-Air-Menü Bratwurst und Champignons nun den Zuspruch fanden, den sie verdienten. Als ungewöhnlichstes Getränk schenkte der Minchen-Wirt an diesen beiden Abenden Prosecco vom Fass aus. "Klingt ja ein bisschen pervers", musste da eine langjährige Minchen-Besucherin unumwunden einräumen. - Schmeckte aber ganz lecker.

© Schaumburger Nachrichten, 23.8.2005

Nette Jungs mit Ameisen in der Büx und kraftstrotzend-herzhaftem Sound

Bückeburg. Eine richtig runde Sache ist sie geworden, die neue CD der Nice Guys, und das bei weitem nicht nur nüchtern geometrisch betrachtet: Auf ihrem zweiten Studiowerk "Ants in my pants" lassen Olaf Schulzik, Achim Serak, Heiko Claus und Wolfgang Stahlhut den Rock rollen, dass es eine wahre Freude ist: Kraftstrotzend und herzhaft, handgemacht und erdig und fast immer mit einem gehörigen Schuss Blues stampfen die 13 Titel der "Ameisen in den Hosen" in die Gehörgänge. Grund genug für eine ausgelassene Release-Party: Im voll besetzten Bückeburger Minchen stellten die Nice Guys ihre neuen Songs vor großem Publikum vor und gaben den "Ants in my pants" die angemessene Live-Taufe.

Geschrieben und teilweise auch schon früher live gespielt haben Olaf Schulzik und Co. die 13 neuen Songs in den vergangenen vier Jahren. So wundert es nicht, dass so mancher Track der Scheibe wie ein guter, alter Bekannter ans Trommelfell des Hörers klopft. So waren unter anderem das Titelstück und der erdige Stampfer "Guy like me" bei den letzten beiden zurückliegenden Halloween-Partys im Minchen zu vernehmen. Im Studio waren die Nice Guys dann Ende Februar dieses Jahres, wobeisie sich mit Gastgitarrist Moritz Kruse aus Hannover saitenkräftige Unterstützung holten. Mit dem machte das Zusammenspiel gleich so viel Spaß, dass er auch die Release-Party der "Ants in my pants" mit seinen Gitarrengriffen verstärkte. Beim Aufnehmen des Titelstücks "Ants in my pants" im Studio versahen sämtliche Kinder der Bandmitglieder den Part derBackground Vocals.

Mit den bluesigen Riffs von "Do it to me" eröffneten die Nice Guys den Minchen-Auftritt, um damit auch sogleich den Opener der CD zu präsentieren. Ebenso rockig ging es weiter mit "I don't wanna change my life", "Baby blue" und "One night stand", um mit "Alone in my bed" und "A lonesome waltz" in ebenso fröhliche Blues-Gefilde abzuschweifen, nicht ohne mit "I lost you" eine wunderschön melodisch-melancholische Rockballade einzuschieben. Als Zugabe entboten die "netten Jungs" ihrem Publikum Iggy Pops "Passenger" und traditionell als Abschluss eines jeden Nice-Guys-Gigs das geniale "Sympathie for the devil" der Stones. "Pleased to meet you" dürfte anschließend auch der uneingeschränkte Eindruck aller Konzertbesucher gewesen sein.

Übrigens: Die CD "Ants in my pants" der Nice Guys gibt es nur bei den Konzerten undüber die Internetseite "www.nicemusik.de/

© Landes-Zeitung, 27.04.2005

Überzeugendes Weihnachtskonzert von Peter Kranz und Band im „Minchen“

Bückeburg. Einen ganzen Sack voller musikalischer Nikolausgeschenke hatten Good Old Peter Kranz und seine Bluesband zu ihrem diesjährigen Vorweihnachts-Gig ins Minchen mitgebracht. Jeder weiß seit Jahren: Peter Kranz gehört am Donnerstag vor Heilig Abend so untrennbar ins Minchen wie das Lametta auf die Blautanne, die Slide-Guitar zum Clapton, die Brille auf den Küblböck, die Meisterschale zu Werder Bremen, das Lichtschwert zum Skywalker und Donald Rumsfeld dahin, wo der Pfeffer wächst. v

Ihr Blues-Fans kommet“ lautete das Credo, und die ließen sich nicht zweimal bitten, sondern füllten Bückeburgs Kultkneipe Number One wie in jedem Jahr bis auf den allerletzten Winkel, um Schaumburgs schwergewichtigstes Argument für die Kunst der kleinen Kadenz zu feiern. „Stille Nacht“ war da kaum angesagt: 12-Ton-Christkind Peter Kranz und seine Stammbesetzung Hermann Edling (Gitarre), Manfred Heinze (Bass), Lutz Requardt (Orgel) und Volker Schmidt (Drums) zelebrierten ihren Blues vielmehr hart, aber herzlich, rau, urig und auch bei Cover-Versionen stets mit individueller Note.

Den ersten von drei Sets eröffnete die Peter-Kranz-Bluesband mit dem dynamischen „The Stumble“, einst geschrieben von Blues-Wegbereiter Freddy King und unsterblich geworden durch die Interpretation von John Mayall und Fleetwood-Mac-Gründer Peter Green auf dem Mayall-Album „A Hard Road“. Weiter stampfte der vorweihnachtliche Blues-Dampfer vorbei an Charlie Sextons „Turn towards the mirror“ und Johnny Langs „Darker side“ zu „Can''t get next to you“, „I need to be loved“ und „Heartbreaks make you strong“, drei Stücken vom ersten Album der Peter-Kranz-Bluesband.

Klassiker und neue Songs aus eigener Feder ließen den Kranz''schen Blues-Express mal rockig, mal schwermütig und erdig durch das Minchen Richtung Bethlehem stampfen. Mit „Groundhog day“, „Feel better“ und „Lonely avenue“ gab die Band einen Vorgeschmack auf ihr in naher Zukunft erscheinendes zweites Album, mit „Crossfire“ und „Tin Pan Alley“ wurde dem großen Stevie Ray Vaughn die Ehre erwiesen. Nicht fehlen durfte natürlich J.J. Cales wunderschöne Ballade „Sensitive Kind“, 1990 von John Mayall verewigt auf seinem Geniestreich „A sense of place“.

So richtig rauschebärtig wurde es mit „She loves my automobile“ und „A fool for your stockings“ von den Blues-Weihnachtsbärten ZZ Top. Nach George Harrisons berühmter weinender Gitarre verabschiedeten sich Peter Kranz&Co. mit „Since you''ve been gone“. Aber „gone“ ist der Peter Kranz im Minchen höchstens bis zum nächsten Vor-Heilig-Abend-Donnerstag. Denn ohne ihn würden alle Bückeburger Blues-Fans wirklich den Blues kriegen!

© Landes-Zeitung, 21.12.2004

Hinter jedem Kalendertürchen lauert ein Hit aus den 70ern

Out of Order“: Hamelner Cover-Band rockt die Szenekneipe Minchen

Bückeburg (jp). Einen Advents-Countdown aus 24 musikalischen Überraschungen hatten „Out of Order“ zu ihrem Auftritt ins Minchen mitgebracht. In Bückeburgs Szene-Kneipe Nummer eins gehört die Hamelner Formation, die in wechselnder Besetzung seit 1987 zusammenspielt, schon zum Stammpersonal.

Und wie vor einem Jahr hatte die Band aus der Rattenfängerstadt ihre Bühne wieder mit einem überdimensionalen Adventskalender ausgeschmückt, der 24 Türchen mit jeweils einem Song aus dem Out-of-Order-Repertoire offerierte

Mit Marcus Emmel am Bass, Markus Himler (Gesang), Jens Horstmann an der Gitarre, Bastian Bruns am Schlagzeug und der vierköpfigen Bläser-Sektion aus den Saxophonisten Simon Becker-Voss und César dos Reis sowie den Trompetern Till Brecke und Marcus Himstedt waren Out of Order in der für Minchen-Verhältnisse großen Bandbesetzung aufmarschiert. Als musikalischer Gast griff Peter Wilcek in die Saiten der Gitarre: Er war für den kurzfristig erkrankten Gitarristen Jens Petersen eingesprungen.

Überwiegend neu arrangierte Klassiker und Cover-Versionen hatten die Hamelner zu ihrem Nikolaus-Gig ins Minchen mitgebracht. Und im Gegensatz zu einem normalen, chronologisch ablaufenden Adventskalender konnte sich das Publikum hier das jeweilige musikalische Türchen aussuchen, so dass nicht erst bis zum Ende des Konzerts gewartet werden musste, bis sich mit James Browns „I feel good“ das Türchen zur Bescherung am Heiligen Abend öffnete. Davor erwiesen Out of Ordner unter anderem der Average White Band mit „Pick up the pieces“, den Trampps mit „Disco Inferno“ und Rose Royce mit „Car Wash“ die Ehre.

Auch für die Zugaben zeigtensich die Musiker nach 24 Adventstüren gerüstet: „Dafür haben wir noch jede Menge Feiertage im Gepäck“, verriet Drummer Bastian Bruns, „Weihnachten, Neujahr und Ostern.“

© Landes-Zeitung, 07.12.2004

Ganz schön gruselig: Einschusslöcher und Blutrinnsale

Trotz Horror-Kostümen wird Halloween im „Minchen“ zum großen Party-Spaß / „Nice Guys“ Garant für tolle Stimmung

Bückeburg (jp). In Schottland hat sich gerade pünktlich zu Halloween die Stadt Prestonpans mit einer ganz besonderen Geste ihrer Vergangenheit gestellt: Ganz offiziell wurden da 81 Frauen rehabilitiert, die vor rund 400 Jahren der Hexenverfolgung zum Opfer fielen. Da ist man in Bückeburg schon weiter: Dort sind die Hexen live und in Farbe zu erleben, insbesondere dann, wenn das „Minchen“ zur alljährlichen von unserer Zeitung präsentierten Halloween-Party lädt. Mit der großen Horror-Sause feierte Bückeburgs Kult-Kneipe Nummer eins einmal mehr das Party-Knallbonbon des Jahres.

Halloween ist ursprünglich ein keltisches Fest und über 5000 Jahre alt. Ganz so alt waren die Hexen, Vampire und Zauberer im Minchen nicht, insbesondere der weibliche Anteil der Gruselgestalten sogar überwiegend höchst jung und entzückend, und das trotz leichenblasser Antlitze und diverser Blutrinnsale in Mundwinkeln und nachtschwarzen Augenhöhlen. Alte Hasen im Geschäft sind hingegen die Nice Guys, die wie in jedem Jahr zum Monster-Stelldichein die passende monströse Musik lieferten.

Leadsänger Olaf Schulzik, der den Auftritt stürmisch mit „Walking in a hurricane“ begann, verzichtete diesmal auf die Vampirbeißerchen zugunsten mehrere blutender Bisswunden und Kratzspuren, Gitarrist Achim Serak tauschte die Hakennase vom Vorjahr gegen eine Teufelsmaske mit Atze-Schröder-Frisur, und Bassist Heiko Claus präsentierte sich gegenüber seinem Zombie-Outfit vom Vorjahr als kreideweißes Leichengesicht mit Einschusslöchern geradezu anämisch.

Den musikalischen Horror-Express ließen die Nice Guys von Otis Reddings „Mustang Sally“ über „All over now“ von den Rolling Stones und diverse Eigenkompositionen – unter anderem das zum ersten Mal live gespielte „A guy like me“– zu Louis Jordans „Let the good times roll“ dampfen. In den folgenden Sets ließen sie Deep Purples „Smoke on the water“ durch das Minchen rauchen, klopften mit Bob Dylan ans Himmelstor und intonierten Jimi Hendrix unsterbliche Frauenmörder-Ballade „Hey Joe

Zum furiosen Finale weit nach Mitternacht erging Neil Youngs Aufruf „Keep on rockin in a free world“ und angesichts der fortgeschrittenen Stunde Eric Burdons Feststellung: „We gotta get out of this place“.

Eine Schale voll Murmeln holt das Rauschen des Meeres ins „Minchen

Abwechslungsreiches Doppelkonzert / „One Eye Open“ überzeugt

Bückeburg (jp). Manchmal kommt es anders und dann auch noch als man denkt. Eigentlich sollten laut Ankündigung beim jüngsten Doppelkonzert im Minchen zunächst die heimische Band Charisma und anschließend die Düsseldorfer Formation One Eye Open auftreten. Doch die beiden Combos hatten ihre eigene Planung für den Abend und legten die Reihenfolge genau anders herum fest. Die Gästeschar ließ es sich gefallen und genoss somit zunächst den Auftritt der rheinischen Rock-Gäste, um anschließend die Lokalmatadoren aus Stadthagen zu feiern.

Einen interessanten musikalischen Kontrast boten die beiden Bands mit ihrem ersten gemeinsamen Konzert: Melodiös und schwermütig die Düsseldorfer, betont rockig und stimmungsvoll die Stadthäger. One Eye Open, das ist trotz prominenter Besetzung am Keyboard vor allem die Band von Singer und Songwriter Markus Günther. Im Hauptberuf Feuerwehrmann und Familienvater gelang dem Düsseldorfer, von vielen Musikerkollegen liebevoll „Major“ genannt, zugleich eine Karriere als Musiker, die ihn von der Band „No Picnic“ über die Crossover-Vertreter „Planet Spunk“ zu seiner eigenen Formation One Eye Open führte.

Prominent ist bei Markus Günther vor allem der Mann am Keyboard: Alex Büchel, vielen auch lange Jahre als „Effendi“ bekannt, gehörte 1979 zu den Gründungsmitgliedern von BAP. 1999 sagte „Effendi“ Wolfgang Niedeckens Kölschrockern Adieu, ebenso wie das kreative Gehirn von BAP, Klaus „Major“ Heuser. Doch „Effendi“ zog es nach einigen Jahren Pause wieder zur Musik und wieder zu einem „Major“, und statt „Major Heuser“ hat er seit zwei Jahren seine neue Heimat beim Major Günther aus Düsseldorf gefunden.

Betont balladesk und melancholisch hielten es One Eye Open bei vielen ihrer Songs, wobei Axel „Effendi“ Büchel am Akkordeon für einen deutlich irisch geprägten Schuss Folklore sorgte. Einen hübschen akustischen Effekt erzielte die Band, indem sie mit einer Schale voller Murmeln das Rauschen des Meeres erklingen ließ.

Schwungvoll gingen dann die Stadthäger Kollegen um ihre Frontfrau Kathi den zweiten Teil des Konzertes an, dessen musikalischen Bogen sie von Deutschrock über schmissigen Rock''n''Roll bis zu anspruchsvollen Eigenkompositionen spannten.

© Landes-Zeitung, 29.09.2004

Brötchen unter' m Tisch  Trinkgeldgespendet

Erfahrungen eines Bundestagsabgeordneten – Sebastian Edathy absolviert ein Kellner-Praktikum im „Minchen“

Bückeburg (mab). „Herr Abgeordneter, ein Bier bitte!“ Bei so manchem Gast im „Minchen“ fiel beim Hören dieses Satzes der Groschen. Schon den ganzen Abend lang war vielen der neue „Praktikant“ merkwürdig bekannt vorgekommen – und richtig: Es war tatsächlich der SPD-Abgeordnete des Wahlkreises Nienburg-Schaumburg Sebastian Edathy, der im Rahmen seines einwöchigen Sommerpraktikums im „Minchen“ mit anpackte.

Sehr aufmerksam und fleißig mache er seine Arbeit, lachten die Gäste an Edathys Tischen, nur ein heruntergefallenes Brötchen beim Servieren eines Salates wird ihm offenbar zum Verhängnis werden: „Jetzt wählen wir keine SPD mehr,“ schmunzelt Manuel Zelle. Die Gäste am Nebentisch finden das alles sehr komisch – und fragen sich schon den ganzen Abend, was denn an der Person, die ihnen ihre Bierchen serviert so besonders sei. „Ach, ein Bundestagsabgeordneter?“ Die überraschte Reaktion auf die Erklärung ist glücklicherweise regional bedingt: „Wir kommen aus Minden

Dass es den Gästen Spaß gemacht hat, die einmalige Chance zu nutzen, sich von ihrem Abgeordneten bedienen zu lassen, ist offensichtlich. Denn „es ist ganz schön viel Lauferei,“ erklärt Edathy in einer Pause. Genau diese Erkenntnis ist eine, die er auszog zu gewinnen. Die einwöchige Praktikumstour in Unternehmen in Nienburg und Schaumburg nutzte er, um vor Ort und am eigenen Leib zu erfahren, wie die Arbeitsbedingungen in seinem Wahlkreis so sind. Besonders beeindruckt hat ihn sein Tag bei der Müllabfuhr, bei dem er ohne Wenn und Aber mit seinen „Kollegen“ mehrere hundert Tonnen geleert hat.

Die Gespräche, die Edathy im Laufe seiner Arbeitstage mit den Arbeitnehmern führen konnte, und die eigenen gesammelten Erfahrungen nützen ihm für seine eigene Arbeit mehr als jede einstündige Unternehmensbesichtigung.

Im Minchen hat er jedenfalls gelernt, wie viele Meter eine Bedienung an einem Abend zwischen acht und drei Uhr so zurücklegen muss. Übrigens: Wer dem Abgeordneten ein Trinkgeld gegeben hat, der hat Gutes getan. Sebastian Edathy will den Betrag aufrunden und der Lebenshilfe in Stadthagen – eine seiner Praktikumsstationen – zukommen lassen.

© Landes-Zeitung, 31.08.2004

© Landes-Zeitung, 16.08.2004

Irisches Bier, irische Musik und irisches Wetter

Szene-Kneipe „Minchen“ feiert Geburtstag / Geballte Ladung hochkarätiger Live-Musik

Bückeburg (bus). Mit einer geballten Ladung hochkarätiger Live-Musik, etlichen Serviceangeboten und einer kaum überschaubaren Gästeschar hat die Bückeburger Szene-Kneipe „Minchen“ am Wochenende ihr 31-jähriges Bestehen gefeiert. Die von der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung präsentierte Open-Air-Sause auf der für den Fahrzeugverkehr gesperrten Ahnser Straße geriet am Freitag und am Sonnabend trotz der bisweilen unsicheren Wetterlage zu einem bemerkenswerten Erfolg.

Wir beginnen mit irischer Musik, irischem Bier und selbstverständlich auch mit irischem Wetter“, hatte Minchen-Chef Fabian Hahn am frühen Freitagabend die dem Gelingen einer Freiluftveranstaltungnicht besonders zuträglichen Regenschauer kommentiert. „Für eine Veranstaltung, die komplett hätte ins Wasser fallen können, verdammt gut besucht“, war wenige Stunden später im begeisterten Publikum zu hören. 

Wesentlich zum Behagen der Besucher trugen die „Stadtgeflüster“-Karaoke-Show und die Musiker der Irish-Folkrock-Formation „Lack of Limits“ bei. In dem Mitsing-Spektakel überzeugte besonders die aus Herford angereiste Kultsängerin Erika, die ein fetziges „Marmor Stein und Eisen bricht“ ins Mikrofon dröhnte. Die Oldenburger Vollblutmusiker – Multiinstrumentalistin Eve Hase: „Ein Chaoshaufen“ – beeindruckten mit Eigenkompositionen und Interpretationen landestypischer Kompositionen. Abwechslungsreich und immer für eine Überraschung gut trumpften die Norddeutschen auf. Ausgefeilter Satzgesang, originelle Instrumentierung sowie Rap- und Reggae-Einlagen ließen das Konzert zu einem musikalischen Hochgenuss werden.

Als am zweiten, witterungstechnisch ungleich freundlicheren Geburtstagstag die Funk- und Soultruppe „Strange Blue“ die Bühne enterte war die Stimmung erneut innerhalb weniger Takte allerbestens. Die acht Hannoveraner fesselten die Zuhörer mit All-Time-Hits wie „Unchain My Heart“, „Mustang Sally“, „The Letter“ und „Come Together“. Raffinierte Bläsersätze, expressive Soli, ein ungemein druckvoll trommelnder Schlagzeuger (Peter Adiaswili) und die stimmgewaltige Sängerin Gabriela Bautze prägten den unverwechselbaren Sound der Band.

Punkt Mitternacht schallte im Zugabenteil „In The Midnight Hour“ von der Bühne. Zeitgleich eilten die Bierwagen-Teams ins Innere der Gaststätte „Minchen“. Die erschrockenen Gäste konnten von Florian Hahn schnell beruhigt werden. Mit dem Glockenschlag zum Sonntag gab es einen weiteren Grund zu feiern: Katja, seit vielen Jahren Bedienung im „Minchen“, hatte ebenfalls Geburtstag und ließ gemeinsam mit den Kollegen die Sektkorken knallen.

© Landes-Zeitung, 07.05.2004

Rauschende „Oskar“-Party im Minchen

„Chris&the poor boys“ präsentieren Rock- und Pop-Coversongs

Bückeburg. Die Szenezeitschrift Stadtgeflüster hat Bückeburger Geschäftsleute als beste Dienstleister Schaumburgs mit einem Oskar ausgezeichnet. Das wollen die Betreiber natürlich mit einem rauschenden Fest feiern: Am heutigen Freitag laden die Gewinner zur Oskarparty mit Livemusik in die Szenekneipe Minchen ein.

Das Minchen übrigens wurde als Schaumburgs Szenekneipe des Jahres ausgezeichnet. Außerdem verlieh das Hochglanzmagazin folgenden Bückeburgern einen Oskar: Kamm&Schere aus der Ulmenallee (Bester Friseur), Josvana aus der Maschstraße (Sonnenstudio des Jahres), Medea aus der Langen Straße (Boutique des Jahres), Ferrari aus der Obertorstraße (Bestes Restaurant) und Di Noto aus der Langen Straße (als bester Optiker). Gemeinsam laden die Gewinner des Stadtgeflüster-Awards zur Oskarparty.

Auch auf der Bühne wird es preisverdächtig zugehen. Dort präsentieren „Chris&the poor boys“ Rock- und Popcoversongs von den 60er Jahren bis hin zu aktuellen Welthits. Der Clou dabei: Die fünf Profimusiker schnüren sich alle Instrumente um die Hüften und können daher während des Auftritts auch mit den Zuhörern in den hinteren Reihen auf Tuchfühlung gehen. Der Eintritt ist frei.

© Landes-Zeitung, 04.05.2004

Riesenglück für Minchen-Chef

Röcke (wer). Das Cabrio glich einem vom Himmel gestürzten Meteoriten – der Fahrer blieb unverletzt: Fast ohne Schramme entstieg Minchen-Geschäftsführer Fabian Hahn gestern Vormittag seinem schrottreifen Mercedes.

Ein festes Abkommen mit seinem Schutzengel hat ihm auf der B 65 bei Röcke das Leben gerettet. In Richtung Bückeburg war vor ihm ein Seat Marbella auf die Überholspur geschert. Der 28-Jährige versuchte auszuweichen, das offene Cabrio geriet dabei an die Mittelleitplanke, schleuderte mit dem Heck von der Fahrbahn in eine Böschung und blieb erst nach 150 Metern und mehreren Überschlägen auf einem Acker liegen.

Inbrünstig und beseelt – so spielt White Man die schwarze Musik

„Molle's Tough Cocktail“ beweist im Minchen virtuoses Können

Von Johannes Pietsch

Bückeburg. Wenn man White Man Molle live auf der Bühne erlebt, fühlt man sich unwillkürlich an John Mayall erinnert: Den schwarzen, breitkrempigen Hut tief in die Stirn gezogen, darunter die Indianerfedern am krausen Haar und die Fransenhose – schon sein Äußeres weckt unwillkürlich Assoziationen an den großen Wegbegründer des weißen Blues in Europa, den man speziell in den 70ern in ganz ähnlicher Aufmachung inklusive des schwarzen Hutes auf der Bühne sah. Und mit seiner Musik gereicht der aus Porta Westfalica stammende Musiker dem großen Blues-Papst erst recht zur Ehre: Kaum ein heimischer Künstler dürfte die Kunst der kleinen Kadenz so lebendig, so inbrünstig und beseelt auf der Bühne verkörpern können wie er. Im Minchen stellten Molle und seine Band „Molle's Tough Cocktail“ ihr virtuoses Können unter Beweis.

Nach dem St.-Patricks-Day vor einem Jahr kehrte White Man Molle damit erneut auf die Bühne zurück, die vor zwei Jahren jenes begeisternde Konzert erlebte, welches inzwischen als Live-Mitschnitt in Doppel-CD-Format gepresst wurde. Neben Gitarrist Olli Schröder, Bassist Peter Burack und Drummer Georg Löwe gab an diesem Band der Ahnser Jens „Lübi“ Lüpke in Molles Blues-Konsortium seinen Einstand am Keyboard.

Der Blues allein ist allerdings White Man Molles Sache nicht: Wie sein großes Alter Ego John Mayall unternimmt auch der kleine Blues-Gigant aus Porta Westfalica mit dem Texas-Hut und der sirrenden Blues-Harp häufig Streifzüge in andere Genres: So swingen bei „I''m an indian“ und „Try to understand“ lockere Reggae-Rhythmen, und richtig psychedelisch kommt White Man Molle beim deutsch gesungenen „Nur noch zwei Lichtjahre“, dessen Text sicherlich nicht wenigen Zuhörern im Minchen Rätsel aufgegeben haben dürfte, während Molles sanfte Querflötenklänge an die musikalischen Sphären des ersten Jethro-Tull-Albums „Stand up“ erinnern.

Nach solch kryptisch-verrätselten Tönen kann der Blues-Mann auch richtig auf den Putz hauen: Kraftvoll intonieren Molle und seine Band Jimi Hendrix „Hey Joe!“ mit wie immer deutschem, aber diesmal leicht verändertem Text: Seinem alten, musikalischen Weggefährten Fritz Schirmer, der Weihnachten 2003 verstarb, widmet Molle den Song an diesem Abend. Und bei „Molle, der Rächer“ dreschen der Sänger, dessen Stimme bei diesem Song noch mehr als sonst in das Tremolo eines Roger „Chappo“ Chapman kippt, und seine Cocktail-Combo fröhlich aufs Punk-Brett: „Ich bin Molle, der Rächer! Computer setze ich schachmatt!“ Singt''s, als wollte er sagen: „Seht her, ich bin besser als das ganze synthetische Pop-Geleier aus den elektronischen Recycling-Dosen aller Dieter Bohlens zusammen.“ Recht hat er, der Molle! Und wenn man sich das Durchschnittsalter seiner großen Kollegen betrachtet, dürfte der 58-jährige damit noch lange Recht behalten: Eric Clapton (59) füllte gerade erst mit einem begeisternden Auftrittdie hannoversche Preussag-Arena, John Mayall, 70 Jahre jung, tourt ebenso munter durch die Welt wie Fleetwood-Mac-Gründer Peter Green (57) oder der beinahe 80-jährige B.B. King.

ausder Landeszeitung vom 13. März 2004

Erdiger Blueskracher begeistert die Iren-Fans

Heute live im Minchen: „Chair-O-Plane“

Bückeburg (jp). „The blues is alright!“ Zum Auftakt der von unserer Zeitung präsentierten „St.-Patrick's Week“ im Minchen ließen es Richie Arndt und die Bluenatics ordentlich krachen.

Das gemischt Bielefeld-Versmold-Schüttdorfer Trio, 1994 gegründet und seit 2002 in dieser Formation zusammen, gab einen Abend lang dem Minchen-Publikum mit seiner urwüchsigen Mischung aus erdigem Blues sowie zeitgenössischen Jazz- und Funkelementen musikalisch Zucker. Die Zuhörer im dicht gefüllten Wintergarten ließen sich zu den urwüchsigen Bluesstampfern die zahlreichen flüssigen Spezialitäten schmecken, die anlässlich der „(t)irischsten Party des Jahres“ unter dem Schutzpatron der grünen Insel im Minchen ausgeschenkt werden.

Bei der irischsten Party des Jahres geht es heute, Sonnabend, weiter im Liveprogramm. Die Band „Chair-O-Plane“ steht ab 20.30 Uhr auf der Bühne und präsentiert ein Unplugged-Konzert. Vor fünf Jahren schon begeisterten Sängerin Cecile, Bassist Stephan Obst, Gitarrist und Sänger Marcus Kümmerling und Drummer Dimitrios Gatsios das Minchen-Publikum. Seit dieser Zeit zeigte die Bandkarriere steil nach oben. Bei verschiedenen Radiosendern und Musikpreisen sahnte Chair-o-Plane vorderste Plätze ab.

Vorerst letzter Höhepunkt war der „Chair-O-Plane“-Auftritt beim legendären „Lord of the boards“-Festival im österreichischen Fieberbrunn, wo in den letzten Jahren die „Guano Apes'''', die „Donots“ und die „H-Blockx“ ihren Durchbruch schafften. Mehr über die Band unter „www.Minchen.de“.

aus der Landes-Zeitung vom 10.12.2003

„Minchen“-Kalender: Hinter jedem Türchen ein Super-Hit

„Out of Order“ im früheren Ostbahnhof / Gratis-Gerstensaft hebt die Stimmung

Bückeburg (bus). Eine fulminante Mixtur aus Rock-, Funk- und Soulmusik hat auf dem Programm des Bückeburger Szene-Treffs „Minchen“ gestanden. Der von der einheimischen Formation „Out of Order“ bestrittene Nikolaus-Termin ließ kaum musikalische Wünsche offen.

Als besonderes Schmankerl präsentierten sich die Musiker der Band „Out of Order“ vor einem überdimensionierten Adventskalender. Hinter den Türchen war indes kein süßes Naschwerk, sondern jeweils ein Hit versteckt. Als das 24. Türchen, hinter dem „I Feel Good“ von Altmeister James Brown ungehört bis Mitternacht ausharren musste, endlich geöffnet wurde, drohte das „Minchen“ aus den Nähten zu platzen.

Freibier vom Nikolaus: Fabian Hahn hat beim Zapfen der milden Gabe alle Hände voll zu tun. 300 Gläser verteilt der Pulterklas an die Besucher.

Schon weit vor Mitternacht stellte die um Bassmann Marcus Emmel und Gitarrist Jens Petersen gruppierte Band musikalisches Geschick unter Beweis. Jens Horstmann (Gitarre), Bastian Bruns (Schlagzeug), Till Brecke (Trompete), Matthias Nolting und Cesar Dos Reis (beide Saxophon) sowie Sänger Markus Himmler hatten überwiegend rhythmusbetonte Hit-Klassiker im Gepäck. Ihre Interpretationen von „Moving On“ (Gary Moore), „Come Together“ (Beatles) und „Let''s Stick Together“ (Bryan Ferry) sowie „Superstition“ (Stevie Wonder) und „Boogie Thing“ (Mat Murphy) ließen schnell erkennen, wo der „Out of Order“-Bartel den funkig-rockigen Super-Hit-Most herholte.

Doch nicht nur der Appetit auf musikalische Genüsse wurde gestillt; auch sonst kamen die Gäste im voll besetzten früheren Ostbahnhof der Kleinbahnlinie Bückeburg-Bad Eilsen auf ihre Kosten: „Minchen“-Chef Fabian Hahn spendierte 300 Glas Freibier. Anlass war die Vorstellung von zwei Spezialitäten der Schaumburger Privatbrauerei. „Zusätzlich zu den bislang sechs Fassbieren bieten wir nun auch frisch gezapfte Keller- und Landbiere der Privatbrauerei an“, verriet „Nikolaus“ Hahn den Grund der kostenlosen Verkostung. Brauerei-Chef Friedrich Wilhelm Lamprecht, der die Einführung kräftig mit feierte, betrachtete beeindruckt, mit wie viel Geschick der Pulterklas den Zapfhahn mittels eines mächtigen Holzhammers ins Fass trieb. Wenige, von einem Blitzlichtgewitter begleitete, beherzte Schläge und schon floss der Gratis-Gerstensaft in Strömen.

Die Konzertreihe der Szenekneipe wird am Donnerstag, 18. Dezember, mit einem Gastspiel der „Peter Kranz Bluesband“ fortgesetzt.

aus der Landes-Zeitung vom 28.11.2003

Bestens aufgelegt den Blues zelebriert

Doug Jay und die Blue Jays bieten die ganze stilistische Bandbreite der Zwölf-Takte-Musik

Von Johannes Pietsch

Bückeburg. Musikalisch basiert der Blues auf einem denkbar simplen Schema. Und doch ist der Blues, jenes ursprünglich afroamerikanische Liedgut schwarzer Sklaven und weltliche Gegenstück zum geistlichen Spiritual, letztlich der Ursprung der gesamten modernen Rockmusik des 20. Jahrhunderts. Ob Bob Dylan, Eric Clapton, die Rolling Stones, ZZ Top oder andere – ohne den Blues und dessen legendäre, aber heute kaum noch bekannten Wegbegründer wie Blind Lemon Jefferson oder Charley Patton hätte es sie alle nicht gegeben. Grund genug, einmal wieder an diesen musikalischen Urquell der Rockmusik zurückzukehren: Eine denkbar gute Gelegenheit dazu hatten die Besucher des „Minchens“ beim Konzert von Doug Jay und seinen Blue Jays.

Doug Jay (r.) und Bassist Ernst-Udo Hartmann. Foto: jp

Doug Jay zelebriert den Blues in Reinform. „He is a true master of the harmonica“ schrieb das „Texas Blues Magazine“ über den Fünfzigjährigen, der schon mit den ganz Großen wie B.B. King, Chuck Berry, The Fabolous Thunderbirds oder Bruce Springsteen gemeinsam auf der Bühne stand. Seit weit über zwei Jahrzehnten sind Doug Jay und seine Band in den Vereinigten Staaten unterwegs, seit Ende der 90er Jahre tourt er auch vermehrt in Europa. Gern gesehene Gäste sind sie bei der allmontäglichen Blue-Monday-Jam-Session in der Osnabrücker Lagerhalle, einem inzwischen weit über die Grenzen der westniedersächsischen Metropole hinaus bekannten Treffpunkt für alle 12-Takter. Hier lernte Doug Jay den Bückeburger Bassisten Ernst-Udo Hartmann kennen, der die musikalische Stippvisite des Amerikaners in der historischen Residenzstadt ermöglichte.

Jays Musik ist die eines typischen Vertreters des weißen Blues: So wie Eric Clapton, der sich auf seinem grandiosen Album „From the cradle“ auf die schwarzen Gründerväter des Blues besann, oder der weiße Blues-Papst John Mayall erweist Doug Jay vor allem den Gründervätern des Chicago-Blues respektvoll die Ehre: Musiker wie Little Walter, der in den 50er Jahren die Spielweise der Blues-Harp revolutionierte, oder wie Jimmy Reed, dessen elektrischer Blues nach 1957 zwischen Texas und Mississippi nachgespielt wurde.

Ein trotz Erkältung vor Energie nur so sprühender Leadsänger und Harmonikaspieler und eine exzellent aufgelegte Band waren an diesem Abend im „Minchen“ zu erleben. Neben Gitarrist Christoph „Jimmy“ Reiter, der Doug Jays markantes Blues-Organ mit virtuosen Gitarrenläufe unterlegte, lieferten Gastmusiker Ernst-Udo Hartmann am Bass und Schlagzeuger André Werkmeister solidestes Rhythmusfundament. Das bestens aufeinander eingespielte Quartett absolvierte die ganze stilistische Bandbreite des klassischen, elektrisch verstärkten Blues, angefangen von groovigem, erdverbundenen Stampfern über getragene, klagende Bluesklänge wie „She''s 19 years old“ vom Chicago-Blues-Titanen Muddy Waters, bei dem Doug Jay virtuos mit zwei verschiedenen Harps variierte, bis zu fröhlichen Rock ´n´ Rollern wie dem ausgelassenen „I''m all alone“, zu finden auf Doug Jays 92er Werk „Until we meet again“. Mit „She''s Dynamite“ erwiesen die Blue Jays B.B. King die Ehre, mit „When I get lucky“ dem Boogie-Pianisten Floyd Dixon. Dabei zeigten Doug Jay und Jimmy Reiter packende Unisono-Läufe und lieferten sich spannende musikalische Frage-Antwort-Kombinationen.

aus der Landes-Zeitung vom 05.11.2003

Lauter nette Mädel und Buben beleben die untote Geisterstunde

„Minchen“ verwandelt sich in Gruselhöhle / Horrorklänge von den „Nice Guys“

Von Johannes Pietsch

Bückeburg. Halloween ist Kult. Welch skurrile Blüten der Trubel rund um das einstige keltische Samhainfest treibt, zeigte sich dieser Tage, als zwei im Halloween-Kostüm verkleidete Frauen einen Alarm im US-Kongress auslösten und um ein Haar die Evakuierung von 10 000 Personen aus dem Repräsentantenhaus ausgelöst hätten. In Deutschland kritisierte Berlins evangelischer Bischof Wolfgang Huber die Zunahme der Halloween-Feiern als „äußerst unangenehm“ und riet öffentlich dazu, diesen Trend nicht mitzumachen

Der Vampir von Heute genießt und schweigt: Wozu Blutkonserve, wenn's doch im Minchen Halloween-Pizza gibt! Fotos: jp

In Bückeburg dürfte seine Empfehlung jedoch völlig ungehört verhallt sein: Zum Höhepunkt seiner Halloween-Woche ließ das „Minchen“ – präsentiert von unserer Zeitung – ein höllisches Partyvergnügen steigen, wie es dämonischer nicht hätte ausfallen können.

Und da wackelten die Kürbisköpfe und schaukelten die Knochengestelle, dass die Fundamente des ehemaligen Bückeburger Ostbahnhofs erbebten. Für Live-Musik sorgten wie in den Vorjahren die Nice Guys aus Obernkirchen, die bis in die frühen Morgenstunden eine Breitseite mitreißender Rockkracher und treibender Blues-Stampfer nach der anderen in das zum Bersten gefüllte Auditorium feuerten. Das zeigte sich an diesem Abend von seiner geisterhaftesten Seite: Schlohweiße Vampirbräute feierten da einträchtig neben todbringenden Massenmördern, bierdurstigen wandelnden Untoten und pizzakauenden Widergängern.

Auch die „netten Buben“ auf der Bühne hielten es mit einem gar nicht so netten, aber den Anlass absolut würdigenden Outfit: Frontmann Olaf Schulzik, vor einem Jahr noch als schwarzer Abt am Mikro aktiv, ließ diesmal die scharfen Vampirbeißerchen glänzen, während Kollege Heiko Claus als blutüberströmter Zombie den Bass traktierte und Schlagzeuger Wolfgang Stahlhut eine geisterhafte Leichenfratze hinter den vibrierenden Drums hervorscheinen ließ. Musikalisch stürmisch eröffneten die Nice Guys den Abend mit John Foggertys „Walking in a hurricane“, schwenkten mit „It´s all over now“ von den Rolling Stones hinüber zu „Let the good times roll“ von Louis Jordan, allen Fans des Kinoklassikers „Blues Brothers“ sicherlich bestens bekannt: Nachdem Eldwood (Dan Aykroyd) in einem Hotelzimmer eben diese Scheibe des Decca-Veteranen aufgelegt hat, bekommen er und sein Bruder Jake (John Belushi) Besuch von Chief Burton Mercier (John Candy).

Dominierten im ersten Set des Abends noch Eigenkompositionen der Nice Guys, so war im zweiten Teil dann Party pur angesagt: Olaf Schulzik und Co. ließen Sweets „Ballroom Blitz“ einschlagen, hämmerten Elton Johns „Crocodile Rock“ in die Bohlen des „Minchens“, tanzten den „Time Warp“ des buckligen Dieners Riff Raff aus Richard O´Briens „Rocky Horror Picture Show“ und bezeugten im Geiste von Mick Jagger Sympathie für den Teufel. Im Zugabenteil erwiesen sie Neil Young mit „Rockin in a free world“ die Ehre, forderten mit den Versen Eric Burdons und seiner Animals: „We gotta get out of this place!“ und bezeugten mit Motörheads Lemmy Kilmister die Grundüberzeugung ihrer Bandarbeit: „I ain´t no Nice Guy“.

aus der Landes-Zeitung vom 27.10.2003

Fun-Folk-Punk und Maskerade in schaurig-schöner Dekoration

Halloween im Minchen: Zum Auftakt lässt „Lack of Limits“ die Puppen tanzen

Von Johannes Pietsch

Bückeburg. Die Kürbisköpfe kommen! Eine Woche vor dem 31. Oktober, dem traditionellen Allerheiligenfest, hierzulande jedoch inzwischen unter dem Namen Halloween im kollektiv unterbewussten Veranstaltungskalender verankert, haben auch in der historischen Residenzstadt allerorten ausgehöhlte Kürbisköpfe, bleiche Knochenskelette und schaurig-schöne Dekorationen das Regiment übernommen. Das Mekka aller Bückeburger Halloween-Aktivitäten bildet erneut das Minchen: Mit dem Konzert der Folk-Formation „Lack of Limits“ startete der ehemalige Bückeburger Ostbahnhof – präsentiert von der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung – in seine traditionell einwöchige Halloween-Party.

Sie haben sich getraut: Kostümierte Gäste waren beim Auftakt der „Halloween-Week“ im Minchen noch in der Minderheit. Fotos: jp

Besser als das Minchen mit all seinen irischen Bezügen im Speise- und vor allem Getränkeangebot könnte wohl auch kaum eine Lokalität für die Feier des einstigen keltischen Sommerwendenfestes geeignet sein. Im vorchristlichen Irland feierte man nämlich am 31. Oktober mit dem Fest „Samhain“ das Ende des Sommers und den Beginn des neuen Jahres. In dieser Nacht war der Sage nach die Grenze zwischen dies- und jenseitiger Welt besonders durchlässig. Die Seelen der Verstorbenen stiegen auf, Gespenster waren unterwegs. Mit Opfergaben sollten sie besänftigt werden. Lärm, Feuer und aus Rüben geschnitzte Geister sollten Böses fernhalten.

Papst Gregor IV., dem das heidnische Treiben ein Dorn im Auge war, versuchte im Jahr 837 aus Samhain ein christliches Fest zu machen. Als Allerheiligenfest, auf Englisch „All Saints Day“ oder „All Hallows Evening“, sollte es künftig dem würdigen Totengedenken dienen. Doch die Tradition ließ sich nicht völlig unterdrücken und gelangte, mit dem verkürzten Namen Halloween, durch irische Auswanderer in die USA. Dort ersetzten runde Kürbisse die groben Rübengeister, und bald zogen verkleidete Kinder mit dem Ausruf „Trick or Treat“ – zu Deutsch: „Schabernack oder Süßes“ – von Haus zu Haus, um „Opfergaben“ einzusammeln. Den Sprung über den großen Teich zurück nach Europa dürfte der Halloween-Kult vor allem dem Erfolg von John Carpenters Horror-Klassiker „Halloween – Die Nacht des Grauens“ zu verdanken haben.

Bereits bei dem von unserer Zeitung präsentierten Auftakt platzte der ehemalige Bückeburger Ostbahnhof schier aus allen Nähten. Gemäß dem Anlass Kostümierte zeigten sich zwar noch in der deutlichen Minderheit, an schaurig-schöner Dekoration mit Spinnenweben, Riesenranken ließ das Minchen jedoch keine Geister- und Hexenwünsche offen. „Lack of Limits“, namhafte Folkrock-Formation aus Oldenburg, ließen es auf der Bühne des Wintergartens bis in die frühen Morgenstunden krachen. Seit 1995 gehören die fünf Nordlichter zu den bekanntesten bundesdeutschen Bands ihres Genres. Dabei gelten die Damen und Mannen um Marco Neumann zu Recht als musikalische Freigeister, die von ihren irisch-folkloristischen Wurzeln ausgehend allerdings auch lustvoll in den Gefilden des Rock, des Jazz und des Punk wildern.

Noch bis zum kommenden Freitag, dem 31. Oktober und eigentlichen Halloween-Fest, steht das Bückeburger Minchen ganz im Zeichen des Geisterspuks. In dieser Zeit können Minchen-Gäste beim hauseigenen Druiden Didirius ihr Hexen-Abitur nachmachen. Wer kostümiert kommt, erhält zudem eine Fingerpizza und ein Getränk auf Kosten des Hauses. Am nächsten Freitag steigt dann die traditionelle große Halloween-Party mit den Obernkirchener „Nice Guys“.

,,Du bist für mich ganz klar weiter“

Bückeburg/Porta (jp). Einen tollen Auftritt legte Eléna Proajov aus Bückeburg beim dritten Casting für den PW1-Popstar, der ostwestfälischer Variante des RTL-Gesangswettbewerbs „Deutschland sucht den Superstar“, hin. Die 19-jährige Schülerin des Abiturjahrgangs am Gymnasium Adolfinum brillierte stimmlich bei dem melodisch komplexen und schwierig zu singenden Titel „I turn to you“ von Christina Aguilera.

Nicht nur das Publikum, auch die Jury zeigte sich mehr als angetan von der Bühnen-Performance der Bückeburgerin. „Du bist für mich ganz klar weiter“, meinte Ex-Endemol-Managerin Michaela Jeske, und auch Sarah-Connor-Produzent Stefan Schaper vom Plattenlabel „Triage“ sah die 19-Jährige bereits im Finale. Doch wie beim großen Wettbewerbs-Bruder bei RTL hatte am Ende des Castings nicht die Jury sondern das Publikum die Entscheidung buchstäblich in der Hand: Mit dem Handy stimmten die PW1-Besucher über das Wohl und Wehe der insgesamt wieder acht Kandidatinnen und Kandidaten des Abends. Und die ließen Eléna Proajov am Ende das gleiche Schicksal erleiden wie ihre Sangeskollegin Gracia bei „Deutschland sucht den Superstar“, die sich ebenfalls nach sehr ansprechenden Darbietungen gegen eine qualitativ deutlich schwächere Konkurrenz nicht durchsetzen konnte. Da half auch das Daumendrücken aller angereisten Minchen-Stammgäste, denen Eléna Proajov als Mitarbeiterin bestens bekannt ist, inklusive Minchen-Chef Fabian Hahn nichts. Dennoch hat das Schaumburger Land mit den drei diesmal qualifizierten Kandidaten zwei zusätzliche Eisen im Feuer. Dominique Langhorst aus Hohnhorst bei Stadthagen hatte Alannah Myles Blues-Klassiker „Black Velvet“ eine fulminante eigene Interpretation verliehen. Björn Birkenfeld aus Bad Oeynhausen konnte Publikum und Jury trotz eines Versingers stimmlich mit Stevie Wonders „I just called to say I love you“ überzeugen. Unübersehbare Fragezeichen warf jedoch der Sieg von Sarah Rovelli aus Rinteln auf: Die 17-Jährige hatte mit dem Fugees-Titel „Killing me softly“ mit Abstand den schwächsten Auftritt des Abends abgeliefert und war dafür von der vierköpfigen Jury unisono abgekanzelt worden. Das Publikum stimmte jedoch mit den Füßen für das Weiterkommen der Rintelnerin.

Partystimmung mit Klassikern aus Blues, Soul und Rock

Von Johannes Pietsch

Bückeburg. Ganz so namhafte Interpreten wie Canned Heat kann sich das Minchen zwar noch nicht leisten, doch ein wenig verbreitete der jüngste Live-Auftritt am Bückeburger Ostbahnhof das Flair jenes denkwürdigen Konzertes vor einem Monat im hannoverschen Capitol, als die Woodstock-Veteranen gemeinsam mit den weltberühmten Blues-Legenden John Mayall und Peter Green gemeinsam auf der Bühne standen. Immerhin hatte das Minchen mit Leadsänger Rick Young einen Musiker verpflichtet, der über fünf Jahre als Begleitmusiker mit Canned Heat getourt hatte. Und mit Bogart Hollywood boten „Rick Young & Friends“ einen Gitarristen auf, der ebenfalls mehrere Jahre Seite an Seite mit einer lebenden Legende gespielt hatte: mit ZZ Top.

Und ganz im Sinne von deren Musik stellten Rick Young & Friends ihren rund 25 Songs umfassenden Set im Minchen von Anfang an unter das Primat des Blues. Die Band eröffnete mit „In the midnight hour“, der Hymne des schwarzen Blueskönigs B.B. King, anno 1984 geschrieben von Steve Cropper und Wilson Pickett für den John-Landis-Film „Into the night“. Es folgte Otis Reddings Soul-Klassiker „Sitting at the dock of the bay“, um anschließend mit „They call it stormy Monday“ jener legendären Zeit zu huldigen, als ein Eric Clapton noch bei John Mayall‘s Bluesbreakers die Gitarre spielte. Dabei präsentierte sich die Band in einem erdigen und stampfenden Soundgewand. Rick Youngs kratziges Bluesorgan und Bogart Hollywoods schneidende Riffs trugen ebenso zur qualmenden Bluesatmosphäre bei wie Keyboarder Robbie Hildemann, Bassist Andreas Saitenhieb und Schlagzeuger Thomas Raber. „Some kind of wonderful“ huldigte den Heroen von Grand Funk Railroad, und mit „Dust my broom“ von Elmore James und Robert Johnsson dürfte Rick Young einen der am häufigsten gecoverten Blues-Klassiker angestimmt haben. Eine eigenwillige Interpretation verpasste Frontmann Rick Young Jimi Hendrix‘ Gatinnenmörder „Hey Joe“, um danach mit „Let‘s work together“ – dem Klassiker schlechthin seiner ehemaligen Brötchengeber Canned Heat – endgültig Partystimmung einzuläuten. Bei den Zugaben kamen mit „Jesus just left Chicago“ dann auch Bogart Hollywoods ehemalige Arbeitgeber ZZ Top zum Zuge. Als letzten Straßenfeger intonierten Rick Young und Co. den Partykracher „Sweet Home Alabama“, einst von den Southern-Rockern Lynyrd Skynyrd als wütende Entgegnung auf Neil Youngs „Southern Man“ geschrieben, inzwischen als Southern-Blues-Klassiker reinsten Wassers von keiner Biker-Party mehr wegzudenken und mittlerweile sogar durch einen Kinofilm gleichen Namens in die ewigen Filmgründe eingegangen.

© Landes-Zeitung, 21.03.2003

Rock‘n‘Roll-Performer reinsten Wassers

 

Bückeburg (jp). In Abwandlung des Gertrude-Stein-Satzes „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“ kann man über den musikalischen Output von Status Quo sagen: „Ein Song ist ein Song ist ein Song.“ Und mit diesem Konzept, seit 37 Jahren quasi ein und denselben Riff mit ein und derselben Hookline in nur geringfügig variierenden Nuancen immer wieder zum Besten zu geben, schwimmen die altgedienten Boogie-Haudegen gerade wieder ganz oben auf der Erfolgswelle und spielen derzeit in einer ausverkauften Konzerthalle nach der anderen.

Diesem Trend wollte sich auch das Bückeburger Minchen nicht verschließen. Zwar kann sich Bückeburgs Szene-Kneipe Nr.1 derzeit die britischen Originale für einen Live-Gig noch nicht leisten, doch mit Steve Young präsentierte das Minchen immerhin einen Künstler, der über mehrere Jahre zu Status Quo gehörte:

Von 1969 bis 1972 spielte Young bei den Erfindern des Headbangings die Gitarre und prägte so markante Alben wie „Pictures of matchstick man“ oder „Dog of two heads“ mit. Im Minchen bewies sich der exaltierte Steve Young mit seinen Knight Beats als Rock‘n‘Roll-Performer reinsten Wassers.

Neben den Songs von Status Quo selbst standen ausnahmslos bekannte Klassiker und Gassenhauer der großen Rock- und Blues-Ära in den 60er und 70er Jahren auf der Setlist der Knight Beats. Steve Young eröffnete mit „Can‘t get enough of your love“, um mit „Good time Rock‘n‘roll“ den Boogie krachen zu lassen, dass die Tische im Wintergarten des Minchens wackelten. Mit „Sweet home Chicago“ huldigten die Knight-Beats den Blues Brothers, mit „Don‘t let me be misunderstood“ erwies Steve Young dem großen Eric Burdon und seinen Animals die Ehre.

Aber auch neuere und zeitgenössische Titel standen auf dem Programm des Auftritts: „Hard to handle“ stammte von den Black Crowes, und mit dem „Dreamer“ erobert derzeit Alt-Black-Sabbath-Haudegen Ozzy Osbourne die Charts. Neben Steve Young und seinen Beat-Knights gaben sich auch die „Jägeretten“ im Minchen die Ehre und bewarben schrill einen Kräuterlikör…

    © Landes-Zeitung, 18.01.200      Die Pomade im Haar und Blues und Boogie in den Adern

Bückeburg (bus). Unter den zahlreichen musikalischen „Selbstläufern“, die in der Bückeburger Szenekneipe „Minchen“ zu den Fixpunkten im Jahreskalender zählen, nimmt das „Magic Boogie Duo“ ohne Frage einen Platz im oberen Drittel der Beliebtheitsskala ein.

Die Gastspiele von Andreas „Charlie“ Mandel (Gesang, Kontrabass) und Vito Becker (Piano, Mundharmonika), die traditionell im Januar die Konzertsaison eröffnen, erfreuen sich stets aufs Neue großer Beliebtheit.

Zu recht, wie die Vollblutmusiker vor ausverkauftem Haus erneut eindrucksvoll unter Beweis stellten. Das Duo hat sich quasi mit Haut und Haaren, mit Saiten, Gesang und Tasten der Welt der 40er und 50er Jahre (des vergangenen Jahrhunderts) verschrieben. „Und mit Leib und Seele“, ergänzen Charlie und Vito im privaten Gespräch.

„In unseren Adern fließen Blues und Boogie“. Die seelenverwandten Musiker präsentieren – in zeitgemäßem Outfit, Pomade im Haar – außer viel Boogie-Woogie sowie reichlich Blues und Rhythm ´n Blues auch ein wenig Jazz und einige Anleihen bei klassischen Komponisten. Am Mittwoch überraschten sie unter anderem mit einer schwer boogielastigen Interpretation von „Jack The Knife“ aus Bert Brechts Dreigroschenoper.

Dargeboten mit viel Improvisationsfreude, virtuosen Soli und filigranen Übergängen begeisterte der betagte „Mackie Messer“ das gut gelaunte Publikum ebenso wie zahlreiche Standards und Eigenkompositionen. Charlie erwies sich einmal mehr als Ausnahmetalent, das sein Instrument – gleich ob gezupft, gestreichelt oder gestrichen – in allen Lagen („normal“, hinter dem Rücken, über dem Kopf) beherrscht, und mit facettenreicher Stimme dem ursprünglichen Charakter der Stücke auf die Sprünge hilft. Vito ließ die Finger über die Tasten fliegen und hielt die Besucher mit witzigen Showeinlagen bei Laune.

Die Gesamtmixtur verfehlte ihre Wirkung um keinen Takt: Wie bei den zurückliegenden Konzerten ließ das rundum zufriedene Auditorium die Boogie-Meister nicht ohne einen umfangreiches Zugaben-Teil von der Bühne.

Im „Minchen“ wird die Reihe der Live-Konzerte am Freitag, 14. Februar, mit dem „Valentinstag-Gig“ von „Jamie Clarke & Band Perfect“ fortgesetzt.

© Landes-Zeitung, 23.12.2002     Schwermütiger Blues, triefnasses T-Shirt

Bückeburg (jp). Er gehört zur Vorweihnachtszeit im „Minchen“ wie der Pastor zur Kirche, das Brot zum Bäcker und die Kirche ins Dorf.

Ohne Peter Kranz und seine Bluesband ist eine Vorweihnachtszeit in Bückeburgs Kultkneipe Nummer eins schlicht und einfach keine.

Auch in diesem Jahr enttäuschte Schaumburgs Blues-Nikolaus die Bückeburger Fans nicht: Am exakt gleichen Datum wie ein Jahr zuvor verkürzten er und seine Blues-Mannen mit ihrem Auftritt im Wintergarten des „Minchens“ das Warten aufs Christkind.

Schwermütige, erdige Blues-stampfer sind das Markenzeichen von Blues-Urgestein Peter Kranz aus Heeßen, der – wenn er gerade nicht sein sonores Blues-Organ ertönen lässt – als Wirt hinter dem Tresen der „Falle“ steht.

Im „Minchen“ brachte der 55-jährige „Bluesbär“ neben den Songs seines selbst betitelten Albums diverse wenig bekannte, aber umso interessantere Kleinodien der Blues-Historie zu Gehör.

Die erdigen Gitarrenriffs lieferte wie gehabt Hermann Edling an der Gitarre, während Lutz Requard seine Keyboards wimmern ließ. Dass der Wintergarten des „Minchens“ an diesem Abend rockte und rollte wie eine Schneelawine in den vorweihnachtlichen Tiroler Alpen, dafür sorgte die stampfende Rhythm-Section aus Manfred Heinze am Bass und Volker Schmidt an den Drums.

Für die Zuhörer war’s ein Blues-Fest, für Peter Kranz wieder mal ein triefendes T-Shirt. Fans der Peter-Kranz-Bluesband sollten sich im Kalender des neuen Jahres den 29. März rot anstreichen: Dann lädt das Blues-Schwergewicht zur Session in die „Falle“.

© Landes-Zeitung, 24.12.2002       Erst Bescherung, dann Kneipenbummel

 

Bückeburg (jp). Das Warten auf die Bescherung lässt sich auch in diesem Jahr in Bückeburg auf vielfältige Weise verkürzen. Während man einerseits in Einzelhandelsgeschäften noch den letzten Weihnachtsschnäppchen nachjagen oder in Lebensmittelmärkten sich um die zuvor vergessenen Zutaten für die Weihnachtsgans bemühen kann, laden viele Kneipen bereits zum Weihnachts-Frühschoppen ein.

Auch nach der Bescherung muss man nicht im heimischen Wohnzimmer vor der beschaulichen Blautanne verbleiben: Auch dann ist in vielen Gastronomiebetrieben weihnachtliche Geselligkeit angesagt.

Zum traditionellen Frühschoppen nebst Weihnachtsmannbesuch lädt wie in jedem Jahr das Minchen ein. Auf Grund des zu erwartenden Riesenansturms an Gästen haben Minchen-Chef Fabian Hahn und sein Team im Wintergarten von Bückeburgs Kult-Kneipe Nummer eins bereits eine zweite Zapfstelle installiert. Nach der Bescherung wird das Minchen gegen 22 Uhr seine Tore wieder öffnen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag bietet das Minchen übrigens eine große Tauschbörse für Weihnachtsgeschenke.

Die „Wolke“ in der Braustasse wird bis 15 Uhr und abends ab 21 Uhr geöffnet haben. Im „Le Bistro“ wird bis 18 Uhr die traditionelle Heilig-Abend-Party gefeiert. Bis 22 Uhr wird im „Ambiente“ das Heilig-Abend-Menü serviert. X-Mas-Treff ist in der Destille angesagt. Wer vor der Bescherung lieber mit Gandalf und Aragorn gegen Orks antreten oder mit Harry Potter das Geheimnis versteinerter Katzen ergründen möchte, ist im Residenz Kinocenter an der richtigen Adresse: Hier werden um 10 Uhr mit „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ und „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ die beiden unbestritten Jahresend-Filmhits dieses Jahres zu sehen sein. Um 10 Uhr sowie 12 Uhr läuft außerdem „Santa Claus 2“.

Neu im Ensemble der Heiligabend-Events findet sich die Bückeburger Eisbahn: Ab 10 Uhr vormittags laden die Eiswirte der „Bückeburg on Ice“-GbR zum großen Heilig-Abend-Frühschoppen auf das Eis und das benachbarte Zelt. Eiswirt Carlo Kerkhoff-Schäfer verspricht Musik und jede Menge vorweihnachtlichen Eis-Spaß. Bis 16 Uhr können große und kleine Kufenfans heute auf dem Marktplatz ihre Kurven drehen. Heute Abend wird die Eisbahn im Gegensatz zu früheren Ankündigungen aber nicht geöffnet haben.

 

© Landes-Zeitung, 28.10.2002                     Von Geistern, Vampiren und Dämonen

Bückeburg (jp). Da blieb kein heraushängender Augapfel trocken: Bei der traditionellen Halloween-Party im Bückeburger „Minchen“ ließen die Nice Guys aus Obernkirchen jetzt die Kürbisse wackeln und die fahlen Totenköpfe vibrieren. Aus Anlass des klassischen Gruselfestes hatten Minchen-Wirt Fabian Hahn und sein Team wieder zum großen Event der Hexen und Monster geladen.

Und die ließen sich nicht lange bitten: Neben zahlreichen in tiefstes Schwarz gehüllten Zauberinnen lief man im stimmungsvoll gruftig ausstaffierten „Minchen“ so manchem Vampir und anderen Wesensarten in die Arme.

Dass Geister und Dämonen eine Menge von Bluesrock der treibenden, gepfefferten Note verstehen, bewiesen die vier nicht allzu menschlich dreinschauenden Gestalten auf der Bühne der Kneipe:

Gitarrist Achim Serak als Freddy Krueger, Sänger Olaf Schulzik als schwarzer Abt Edgar-Wallace’scher Prägung, Bassist Heiko Klaus als Vampir, Gitarrist Detlev Brauer als Chrystal-Lake-Killer Jason Vorhees und Schlagzeuger Wolfgang Stahlhut öffneten mit „Low dow and dirty“, huldigten den Rolling Stones mit „All over now“ und zeigten mit der selbstgeschriebenen Blues’n’Boogie-Nummer „One of these days“ ihres aktuellen Albums „Coming Home“, was die Geisterstunde geschlagen hatte.

Dominierten im ersten Set des Abends noch Eigenkompositionen der Nice Guys, so war im zweiten Teil dann Party pur angesagt.

© Landes-Zeitung, 24.04.2002 - Von Bettina Dogs   "Ihr jammert einfach mehr als wir"

Bückeburg. "Das deutsche Bier", sagt Mark Whitty mit einem süffisanten Lächeln auf den blassen Lippen, "ist schon okay. Aber wenn es nach dem Bier geht, würde ich lieber in Belgien arbeiten." Lässig schnippt der schottische Barmann die Asche seiner Zigarette ab und wirft einen Blick auf das Fenster, als ob dort die Richtlinien seiner ganz persönlichen Philosophie eingeritzt sind.

"Weißt Du", fährt er selbstsicher fort, "es ist mein Job, andere auszuplündern. Na, da ist er halt eben nach Deutschland gekommen.

"Meine Eltern hat das überhaupt nicht verwundert, dass ich eine Deutsche heirate. Ich hab mich hier schon immer wohl gefühlt." Wohl fühlt er sich aber eigentlich in allen europäischen Ländern. "Die kulturellen Unterschiede interessieren mich nicht, ich suche immer nach einer gemeinsamen Basis."

Und obwohl für ihn in Europa eigentlich kaum noch Unterschiede auszumachen sind, ist er von einem dann doch überzeugt: "Ihr jammert mehr. Das ist der kulturelle Unterschied."

Mark Whitty ist direkt. Und er ist ein kleines bisschen Lebenskünstler. Obwohl er gerade dieses Wort überhaupt nicht ausstehen kann. Dann aber irgendwie doch.

Aber bis an sein Lebensende zapfen? "Das ist nicht mein Ziel". Aber gerne mache er diesen Job schon. "Er ist hier nicht so anonym wie in England", sagt er. Und so lange das Bier noch schmeckt, ist er auch noch erträglich.

 

Halloween: Von Hexen und von bösen Geistern

Bückeburg (pz). Kürbisse, wohin das Auge blickt, ob natürlich oder künstlich, groß oder klein, orange oder grün – die wundersame Vermehrung der Beerenfrucht im Warenangebot der Gemüsehändler, in den Schaufensterauslagen der Einzelhändler hat einen einfachen Grund: Das für viele Menschen hierzulande immer noch fremd anmutende Halloween-Fest steht vor der Tür.

Das Halloweenfest hat tiefliegende heidnische Wurzeln. Es geht auf das Samhain-Fest zurück, das die Kelten im vorchristlichen Irland jedes Jahr am Abend des 31. Oktober feierten. Sie glaubten, dass an diesem Abend die Toten aus ihren Gräbern emporsteigen würden, um im Diesseits ihr Unwesen zu treiben. Ein Mittel, dieser Bedrohung zu entgehen, war die Verkleidung: Als Geist, Dämon oder Hexe getarnt, so der Volksmund, blieb man von den Toten unerkannt. Erst im 16. Jahrhundert bekam das Fest seinen heute noch gebräuchlichen Namen. Im 19. Jahrhundert brachten die zahlreichen irischen Einwanderer den Brauch nach Amerika, wo er sich schnell festsetzte. Heute besteht es in den USA vor allem darin, dass verkleidete Jugendliche am Abend des 31. Oktober von Tür zu Tür ziehen, um Süßigkeiten zu erbeuten. Übrigens: Der Kürbis ist deshalb das Halloween-Symbol schlechthin, weil er, ausgehöhlt und mit einer Kerze versehen, zur Abschreckung der bösen Geister beitragen sollte. Auch hierzulande gibt es immer mehr Halloweenbegeisterte. In Bückeburg hat das Geisterfest schon seit vielen Jahren seinen festen Platz. Fabian Hahn, Inhaber der Szenekneipe „Minchen“, veranstaltet wie jedes Jahr Ende Oktober seine Halloweenwoche.

 Im alten Ostbahnhof wird es dann wieder in entsprechend „schauriger“ Atmosphäre hoch hergehen: Höhepunkt ist am Sonnabend, 26. Oktober, der Live-Auftritt der Obernkirchener Band Nice Guys, die Rock- und Popklänge ertönen lassen wird. Zudem wird am selben Abend ein Kostümwettbewerb veranstaltet. Asta Harwik, Inhaberin der „Schatztruhe“, präsentiert ihr Geschenkartikel-Lädchen nach außen ganz im Halloween-Look: Die Schaufenster sind mit verschiedensten Kürbissen geschmückt; die einen sind Zierkürbisse, die anderen aus Keramik. „Die uns beliefernden Firmen haben in den letzten Jahren verstärkt Keramikkürbisse in ihr Angebot aufgenommen. Zum Dekorieren sind die bestens geeignet.

Gerade wenn das triste Herbstwetter anfängt, freuen sich die Leute über unsere farbenfrohen Schaufensterauslagen“, sagt die Einzelhändlerin. Doch so recht hat sie noch keinen Bezug zu Halloween aufbauen können: Kürbisdeko ja, aber für den 31. Oktober ist nichts Besonderes geplant. „Wir haben doch gerade erst das Kürbisfest gefeiert“, sagt sie. Auch die Gemüsehändler wollen von der Gleichung Kürbis gleich Halloween nichts wissen. „Halloween macht zwar gute Werbung für unsere Kürbisse, aber Kürbisse gab’s auch schon, bevor Halloween hier ein Thema war“, sagt Friedrich Timmermann aus Petzen, der auf dem Bückeburger Wochenmarkt ein beeindruckendes Sortiment an „Panzerbeeren“ anbietet, vom „Gelben Zentner“ über den „Hokkaido-Kürbis“ bis hin zur Butternuss. In die gleiche Kerbe schlägt eine seiner Kundinnen. Marian Dittmann aus Bremen erzählt aus ihrer Kindheit: „Damals kannte man Halloween hier noch gar nicht. In meiner Familie wurde oft Kürbis gegessen, ob als Brot oder Suppe. Als Kinder haben wir in die ausgehöhlten Kürbisse Kerzen gesteckt und auf den Friedhof gestellt“, berichtet sie freimütig über Streiche aus ihren Kindertagen. In der Bückeburger Gastronomie ist man auf den Kürbis gekommen. „Wir bieten im Moment Gerichte rund um den Kürbis an“, berichtet Harald Strüwe von der „Großen Klus“ in Röcke. „Halloween spielt dabei schon eine große Rolle, auch wenn wir am 31. Oktober selbst nichts Spezielles vorgesehen haben“. Trotz der geteilten Meinung zu dem bevorstehenden Geisterfest – bei einem sind sich alle einig: Kürbisse sind nicht nur gesund, sie bringen auch Farbe in den oftmals grauen Alltag – ob mit oder ohne Halloween.

Vor der Weihnachtsgans noch ein Bier...

Bückeburg (jp). Alle Jahre wieder überrollt die Menschen kurz vor dem Heiligen Abend die Frage: „Wo, wie und vor allem mit wem feiern?“ Bückeburger, die kurz vor und weit nach Weihnachtsgans, Lametta-Fichte und lauschiger Besinnlichkeit noch auf die Piste wollten, fiel in diesem Jahr die Entscheidung schwer, so groß war das Angebot der heimischen Gastronomie.

Das ausgelassene Ausgehen und Einkehren begann am frühen Vormittag. Während andernorts noch durch Supermärkte und Kaufhäuser gehetzt wurde, wurden an so mancher Bückeburger Theke bereits die ersten goldblonden Hellen gestemmt. Eine neue Definition für den Begriff Klaustrophobie erlebten dabei die Besucher des „Le Bistro“: So unglaublich groß war der Andrang beim traditionellen Heilig-Abend-Frühschoppen, der Stimmungswellen von rheinischer Ausgelassenheit durch die Eckkneipe am Eingang der Fußgängerzone schwappen ließ, dass so mancher Kneipenbummler dieses Vormittags vor der Eingangstür wieder den Rückwärtsgang einlegte. Der große Endjahres-Wiedersehens-Klönschnack stand im „Minchen“ auf dem Programm: Dort trafen sich die Heerscharen der weihnachtlichen Heimkehrer, um über das zu Ende gehende Jahr, das zurückliegende Semester, die gerade erfolgte Familiengründung oder lang zurückliegende Schulerinnerungen zu philosophieren. Ausgelassenheit statt Besinnlichkeit stand auch im „Känguruh“ auf dem Programm: Dort schlugen die „Blackbirds“ aus Minden in die Saiten und brachten am Heiligen Vormittag die Schulstraßen-Kneipe mit stampfendem Rock''n''Roll, urigem Rhythm''n''blues und treibenden Rock-Klassikern zum Beben. Die „Wolke“ servierte ihren Besuchern zur Stärkung vor der Bescherung ein Kaiser-Frühstück. Während sich die Eltern entweder noch beim Einkaufen abhetzten oder selbst in einer der zahlreichen Kneipen feierten, stürmte der Nachwuchs das Residenz Kinocenter Bückeburg. Die Vorstellungen der von unserer Zeitung und den Filmbetrieben Rubba präsentierten Kinderfilmtage mit dem „Grinch“ war restlos ausverkauft. Am Abend öffneten wiederum zahlreiche Bückeburger Kneipen spätestens um 22 Uhr ihre Tore.

Minchen rappelvoll, Jury: „Genau 297!“

Bückeburg (jp). Guinness, Guinness, Guinness! Das „Minchen“ hatte wie weitere 1000 Kneipen in ganz Deutschland zum Weltrekordversuch gerufen, und mehrere hunderte Fans des irischen Dunkelbieres waren dem Ruf der zweittraditionsreichsten Kneipe Bückeburgs gefolgt. Die meisten Guinness-Trinker aller Zeit sollten alle zu ein und demselben Zeitpunkt in besagten 1000 deutschen Kneipen gemeinsam die Gläser erheben. Eine hochkarätig besetzte Jury aus Bückeburger Politprominenz sollte dafür sorgen, daß die Zahl der bierseligen Glasheber an die sem Abend im „Minchen“ ordnungsgemäß festgestellt und aktenkundig gemacht wurde.

Für einen hohen Stimmungspegel sorgte an diesem Abend nicht nur das (zu reduzierten Preisen) ausgeschenkte Irengebräu, sondern auch das Magic Boogie Duo. Das vom „Umsonst & Draußen“ sowie vom „Marktplatz-Frühschoppen“ gestählte Zweigespann heizte dem Minchen-Volk mit seinem hochenergetischen Boogie-Woogie seit den frühen Abendstunden ein. Das Mitschwingen und Mitschnippen der klimpernden Boogie-Kracher trieb den Guinness-Durst der Minchen-Gäste noch vor dem offiziellen Weltrekordversuch in die Höhe und ließ Minchen-Chef Fabian Hahn und sein Team im Akkord schuften. Daß die offizielle Jury, die zur ordnungsgemäßen Zählung der Guinness-Trinker auserkoren wurde, an diesem Abend rein christdemokratisch besetzt war, kam eher zufällig zustande: „Ich wollte ja unbedingt den Bürgermeister haben“, verriet Fabian Hahn, „aber der hatte bereits bei einer Weihnachtsfeier zugesagt.“ So blieb es dem Landtagsabgeordneten Friedel Pörnter sowie dem Bückeburger Ratsherren, Boxen-, Veranstaltungs- und Handy-Spezialisten Marinus Kienzl überlassen, die genaue Zahl der Guinness-Glasschwenker zu eruieren, die um punkt 23 Uhr nach einem Tusch des Magic Boogie Duos ihr Trinkbehältnis erhoben. Doch gerade dieses Zählen erwies sich auf Grund der drangvollen Enge im von Guinness- Trinkern komplett instandbesetzten „Minchen“ als Sysiphus- Aufgabe. Erst nach umständlichen gymnastischen Verrenkungen über den Köpfen der Kneipengäste meldeten Friedel Pörtner und Marinus Kienzl: „Genau 297.“ Währen die meisten „Minchen“-Besucher den um 23 Uhr begonnenen Trinkvorgang unbekümmert fortsetzten, äußerte ein besonders aktiver Guinness- Konsument erhebliche Zweifel an der fachlichen Qualifikation der Jury: „Die zwei sollen das machen? Die können doch nicht einmal bis drei zählen.“

Landes-Zeitung, 07.12.1998

Aufstand der Köche und Kellner überlebt

Bückeburg (ms). Wenn heute jemand im Bückeburger Ostbahnhof warten muß, dann liegt das höchstens daran, daß Enricos Pizza noch backen oder Micky das Guiness mit einer Blume versehen muß. Was 32 Jahre nach der letzten Bahnfahrt vom Ostbahnhof übrigblieb, ist die Szenekneipe „Minchen“. Am Wochenende herrscht hier wieder großer Bahnhof: Das „Minchen“ wird 25 Jahre alt

1973 eröffnete Hans-Rainer Hahn in der ehemaligen Schalterhalle eine Kneipe. Aus den ausrangierten Eisenbahnbänken zimmerte er Sitzgelegenheiten und stellte sie neben Omas Plüschsofas. Er besorgte einen Billardtisch und ließ sich von einem Kollegen eine Theke im Stil englischer Pubs bauen. Die Gäste konnten zwischen kleinen Broten, serviert mit eingeweckter Wurst, und 150 verschiedenen Getränken wählen. 1975 baute Hahn um: Mehrere kleine Zimmer wurden eins, die Theke zusammengeschoben, ein straffes Musikprogramm organisiert. Als erste Bückeburger Kneipe führte das Minchen Weizenbier ein. Einige bayerische Bundeswehrsoldaten brachten das Kristallweizen kistenweise von ihren Übungsflügen mit. Als dann ein Stammgast jeden Abend nach „Guinness“ fragte, gab der Kneipier nach und erweiterte als erster zwischen Hannover und Bielefeld die Karte um das irische Starkbier. Das Minchen überlebte einen Aufstand der Köche und einen der Bedienungen. Als der Koch am Heiligabend das Handtuch schmiß, fand der Kneipier binnen einer Stunde einen neuen. Als sich die Bedienungen weigerten, im Biergarten zu servieren, weil es dort angeblich bitterkalt war, schickte er sie nach Hause. Rainer Hahn ging auf Personalsuche. Bei seiner Rückkehr hatte sich das Problem längst gelöst: Stammgäste waren aus freien Stücken eingesprungen und standen am Zapfhahn. Die Kneipe machte sich vor allem durch ihre Musikveranstaltungen einen Namen. Ende der 70er Jahre waren die Konzerte so gut besucht, daß das Lokal an manchem Abend trotz 15 Mark Eintritt fast wegen Überfüllung geschlossen werden mußte. An diese Tradition will Fabian Hahn, der das Minchen in zweiter Generation führt, anknüpfen – allerdings ohne Eintritt. Die Jubiläumsfeier, die unsere Zeitung präsentiert, beginnt am Freitag (mit Bierpreisen wie vor 25 Jahren) und gipfelt am Sonntag um 11 Uhr in einem Frühschoppen mit „Whiteman Molle“.