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ie alles begann....

Mitte der 60er Jahre ging sie zum letzten Mal auf die große Fahrt: Das Eilser ,,Minchen''. So nannten die Bückeburger die fürstliche Eisenbahn, die zwischen Bad Eilsen und der ehemaligen Residenzstadt pendelte. Auf der Strecke verschnaufte der kleine Zug am Bückeburger Ostbahnhof, der zentralen Stelle an der Hannoverschen Straße. Die Bahn brachte Ansehen für das Fürstenhaus und die Stadt - Gewinn jedoch brachte die Bahn nicht.Als dann auch noch die Entscheidung fiel, dass die Bahn nicht an das staatliche Netz angeschgeschlossen würde, war das Schicksal besiegelt. 

Denn der Fürst würde nicht in einem Schloss wohnen, wenn er nicht stets die Kosten für seinen feudalen Lebensstil im Auge hätte. Also, wurde der Zugbetrieb wieder eingestellt. Der alte Ostbahnhof kam aber trotzdem nicht zur Ruhe - im Gegenteil.

1973 war aus der alten Schalterhalle eine urige Kneipe im alten Bahnhofsstil geworden. Aus den Sitzbänken der Eisenbahnwagons wurden gemütliche Sitzgelegenheiten. Am Platz der Fahrkartenausgabe stand eine Zapfsäule - dahinter der Wirt: Hans-Rainer Hahn. Das war die Geburtsstunde des ,,Minchens''

Vor der Tür lagen hingegen noch Gleise und daher forderte der Landkreis auch in dem Gaststättenkonzession, dass auf dem Bahnsteig ein Geländer errichtet werden musste, damit niemand angetrunken beim Verlassen des Minchens stürzte. Zweite Auflage der Ordnungsbehörde: ,,Musikveranstaltungen sind nicht erlaubt.’’

Gleich von Beginn an setzte das Minchen Maßstäbe. Als erste Kneipe in der Region schenkten wir Weizenbier aus - damals in Norddeutschland nahezu unbekannt. Lieferanten waren Bundeswehrsoldaten, die mit den Kisten von den Übungsflügen aus Bayern heimkehrten.  Aber damit nicht genug: Auch das irische Nationalgetränk GUINNESS gab es zwischen Hannover und Bielefeld nur im Minchen vom Fass.

Als die alten Gleisanlagen weggerissen wurden, entstand vor der Tür Bückeburgs größte überdachte Sommerterasse. Auch ein zweiter Wunsch ging in Erfüllung. Livemuisk war fortan nicht mehr verboten, sondern wurde zum festen Bestandteil des Programms. Regelmäßig präsntierte das Minchen vor allem Irish-Folk-Gruppen, aber auch Rock und Pop-Musiker. Als herausragende Band sei dabei ,,Oisin’’ aus Irland zu nennen, die den alten Ostbahnhof bei jedem Auftritt zum Kochen brachte.

Pünktlich zum 25jährigen Jubiläum kam der  Generationswechsel - vom Minchen-Gründer Hans Rainer an Sohn Fabian.  Noch vor der großen Jubiläumsfeier wurden die Lieferanten an den Tisch geholt und unter anderem die Biersorte gewechselt. Ab sofort floß Bitburger Pils durch die Bierleitungen, für Weizentrinker wurde Franziskaner eingeführt. Aber das sollte nicht reichen. Vielfalt und Abwechslung war die Devise - sowohl bei den Biersorten, als auch beim Programm. So gab es in den folgenden Jahren immer wieder gleich dutzende verschiedene Biersorten - sogar Exoten aus Enland, Frankreich oder Japan. Neben Livemusik-Abenden gab es zum Tag der Deutschen Einheit einen als ,,Ost-Gebiet’’ abgetrennten Wintergarten, in dem nur mit zwangweise einzutauschender ,,Ost-Minchen-Mark’’ bezahlt werden konnte, zur Bundestagswahl ließen wir die Gäste schon einmal im Minchen wählen und zeigten eine Woche lang täglich Hochrechnungen (die am Ende übrigens sehr dicht am wirklichen Ergebnis lag).

Zuvor wurde im Sommer aber erst einmal das 25. Jubiläum gefeiert. Drei Tage lang. Mit Livemusik und Preisen fast wie zur Eröffnung 1973. Ein rauschendes Fest. Drei Fahrradfahrer hielten sich aber nicht daran, entweder zu trinken oder Fahhrad zu fahren. Das kostete ihren Führerschein. Einer von ihnen kreiste einige Minuten lang an der Kreuzung Ulmenallee bis ihn die Polizei fragte, was der Unsinn solle. ,,Ich weiß nicht, wo es nach Scheie geht’’ soll er geantwortet haben und damit seine absolute Fahruntüchtigkeit unter Beweis gestellt haben.

1999 erfüllte sich ein alter Traum - die Sommerterasse mußte dem neugebauten Wintergarten weichen. Aufgrund der massiven Bauweise unkten manch einer damals das Dinge sähe ja aus wie ein Kuhstall. Die Gäste fanden das nicht. Schon am ersten Abend war der ,,Stall’’ als erstes voll.

Im Sommer 2001 wuchs das Minchen weiter. Der Weizen-Biergarten wurde eröffnet - als einziger weit und breit mit 16 verschiedenen Weizenbiersorten: Franziskaner, Paulaner, Schneider Weisse und Erdinger Weißbier in hell, dunkel, kristall, Doppelbock und auch ein Roggenbier stand bereits mit auf der Speisekarte.

Nach dem Sommer startete eine Musik-Saison, die es in sich hatte. Mit dem Revival der Red Pepper Blues Band präsentierte das Minchen innerhalb kürzester Zeit etliche hochklassige Konzerte mit einigen der bekanntesten deutschen Bluesgrößen, wie etwa Rainer Achterholt oder Gerd Gorke. Auch Dough Jay & the Blue Jays sorgten mächtig für Stimmung.

Im Jahr des 30jährigen Minchen-Bestehens avancierte der alte Ostbahnhof inzwischen weiter zu einem Geheimtipp für bekannte Musiker aller Richtungen. Ex-Pogues-Gitarrist Jamie Clarke gehört mittlerweile fast schon zum festen Programm im Musikkalender. Ihm folgten im Februar Steve Young, der in den 70er Jahren bei Status Quo rockte. Im April jammte dann auch noch Rick Young im Minchen, der bis vor kurzem bei ,,Canned Heat’’ spielte. Mit dabei auch Bogart Hollywood, der einst Mitglied der legendären Kultban ZZ Top war.

Ostersonntag wurde das Minchen-Team für die Mühen des Jahres belohnt. Zum zweiten Mal in Folge zeichnete die Szenezeitschrift ,,Stadtgeflüster’’ das Minchen als beste Kneipe im Schaumburger Land aus.

So sah das Eilser Minchen aus

Prost zum 25jährigen wünschen: Hannes, Sonya, Mark, Remon, Franzi und Fabian

Das Minchen 1973: Noch mit den den Eisenbahngleisen vor der Tür