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Denn der Fürst würde nicht in einem Schloss wohnen, wenn er nicht stets die Kosten für seinen feudalen Lebensstil im Auge hätte. Also, wurde der Zugbetrieb wieder eingestellt. Der alte Ostbahnhof kam aber trotzdem nicht zur Ruhe - im Gegenteil.
1973 war aus der alten Schalterhalle eine urige Kneipe im alten Bahnhofsstil geworden. Aus den Sitzbänken der Eisenbahnwagons wurden gemütliche Sitzgelegenheiten. Am Platz der Fahrkartenausgabe stand eine Zapfsäule - dahinter der Wirt: Hans-Rainer Hahn. Das war die Geburtsstunde des ,,Minchens''
Vor der Tür lagen hingegen noch Gleise und daher forderte der Landkreis auch in dem Gaststättenkonzession, dass auf dem Bahnsteig ein Geländer errichtet werden musste, damit niemand angetrunken beim Verlassen des Minchens stürzte. Zweite Auflage der Ordnungsbehörde: ,,Musikveranstaltungen sind nicht erlaubt.’’
Gleich von Beginn an setzte das Minchen Maßstäbe. Als erste Kneipe in der Region schenkten wir Weizenbier aus - damals in Norddeutschland nahezu unbekannt. Lieferanten waren Bundeswehrsoldaten, die mit den Kisten von den Übungsflügen aus Bayern heimkehrten. Aber damit nicht genug: Auch das irische Nationalgetränk GUINNESS gab es zwischen Hannover und Bielefeld nur im Minchen vom Fass.
Als die alten Gleisanlagen weggerissen wurden, entstand vor der Tür Bückeburgs größte überdachte Sommerterasse. Auch ein zweiter Wunsch ging in Erfüllung. Livemuisk war fortan nicht mehr verboten, sondern wurde zum festen Bestandteil des Programms. Regelmäßig präsntierte das Minchen vor allem Irish-Folk-Gruppen, aber auch Rock und Pop-Musiker. Als herausragende Band sei dabei ,,Oisin’’ aus Irland zu nennen, die den alten Ostbahnhof bei jedem Auftritt zum Kochen brachte.
Pünktlich zum 25jährigen Jubiläum kam der Generationswechsel - vom Minchen-Gründer Hans Rainer an Sohn Fabian. Noch vor der großen Jubiläumsfeier wurden die Lieferanten an den Tisch geholt und unter anderem die Biersorte gewechselt. Ab sofort floß Bitburger Pils durch die Bierleitungen, für Weizentrinker wurde Franziskaner eingeführt. Aber das sollte nicht reichen. Vielfalt und Abwechslung war die Devise - sowohl bei den Biersorten, als auch beim Programm. So gab es in den folgenden Jahren immer wieder gleich dutzende verschiedene Biersorten - sogar Exoten aus Enland, Frankreich oder Japan. Neben Livemusik-Abenden gab es zum Tag der Deutschen Einheit einen als ,,Ost-Gebiet’’ abgetrennten Wintergarten, in dem nur mit zwangweise einzutauschender ,,Ost-Minchen-Mark’’ bezahlt werden konnte, zur Bundestagswahl ließen wir die Gäste schon einmal im Minchen wählen und zeigten eine Woche lang täglich Hochrechnungen (die am Ende übrigens sehr dicht am wirklichen Ergebnis lag).
Zuvor wurde im Sommer aber erst einmal das 25. Jubiläum gefeiert. Drei Tage lang. Mit Livemusik und Preisen fast wie zur Eröffnung 1973. Ein rauschendes Fest. Drei Fahrradfahrer hielten sich aber nicht daran, entweder zu trinken oder Fahhrad zu fahren. Das kostete ihren Führerschein. Einer von ihnen kreiste einige Minuten lang an der Kreuzung Ulmenallee bis ihn die Polizei fragte, was der Unsinn solle. ,,Ich weiß nicht, wo es nach Scheie geht’’ soll er geantwortet haben und damit seine absolute Fahruntüchtigkeit unter Beweis gestellt haben.
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